FFF - Fernwærme

Bewertung: 3/5

Mittwoch, 24. Februar 2010, 08:41 Uhr. Stichwörter: , , ,

Da trudelte doch kürzlich ein A5-Umschlag bei mir ein. Ich dachte mir nichts böses dabei und riß ihn sofort auf. Der Inhalt: eine CD samt Flyer. Absender: Thorsten Droessler, seines Zeichens Bassist bei der Leipziger Band FFF.

Ich war selbstverständlich neugierig, denn ich kannte die Band überhaupt nicht, also rein mit der CD in den Player. Doch bevor ich die Abspieltaste drückte, las ich mir den Flyer durch:

"Quicklebendig melden sich FFF mit ihrem dritten Album »Fernwærme« zurück.
Noch aufgeladener und dynamischer als bisher ziehen FFF ohne Gummistiefel,
aber mit einer fragwürdigen Plattensammlung im Gepäck, durch den Gumpensund
der Melodien, verlassen pfeifend die Trampelpfade des Klanggleichgewichts und
besingen mehrsprachig ihre Abenteuer im Unterholz der Rohrsysteme und Kohleöfen.

Die vier Hochfrequenzdispatcher bleiben unterwegs ihren filmischen Wurzeln treu und
entwerfen imaginäre Szenenbilder und abenteuerliche Situationen, oder verwandeln
historische Ereignisse und gymnastische Turnübungen in musikalische Höhenmeter,
die nun zum Maßnehmen bereit stehen.
Prüfen Sie Ihren Stand!"

Hmm, das machte mich natürlich neugierig. Also Abspieltaste gedrückt, und los gings. Titel 1 - Am Ausbesserungswerk. "Kontrolle. Kontrolle." Aha. Es startet beatlastige Musik - angenehm. "Prüfung des Klanggleichgewichts." Ooh. "Kontrolle des Frequenzganges." Hehe. "Kontrolle des Übersprechens."

Ja, das klingt originell und ist es auch. Samples von einer Testplatte des VEB Deutsche Schallplatten Berlin, DDR natürlich. Untermalt von einem gefälligen Beat, welcher von ein paar schrägen Tönen kontrastiert wird. Mir gefällts, es ist dadurch nicht zu nah am Mainstream, nicht zu gefällig, um billig zu wirken.

Titel 2 - Wo Wir Sind - beginnt mit einem kurzen Akkordeonakkord, fährt dann aber im gleichen Rhytmus, Takt und auch mit einer sehr ähnlichen Grundmelodie fort, was mich etwas enttäuschte. Originell - die Akkordeonuntermalung, welche auch fein zum französischen Sprechgesang passt. Es ist also klar, woher die Inspiration zu diesem Titel kommt. Der Refrain wird dann jedoch schnell und geht ins punkige über. Ich bin hin und her gerissen - Punk ist nicht ganz meins.

Ich will nicht zu viel verraten. Es geht so weiter, die Titel sind kontrastreich, wechseln zwischen den Genres. Funk, Punk, rockiges - doch trotz des großen Kontrastes gefällig und melodiös. Auch wenn man kein Ossi ist, kann man sicher die Samples aus dem Amiga-Archiv originell finden.

Fazit: Für Musikliebhaber ist dieses Album sicher interessant, fordert jedoch vom Hörer eine große Toleranz bezüglich des Musikgeschmacks.

Links:
www.fff-and-friends.com
FFF auf Myspace

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Ein Kommentar

gravatar for Dubhead

Yo!

Ich melde mich auch mal wieder zu Wort, aus dem Sumpf des völlig überarbeiteten Redakteurs.

Flyerzitiat:

“Die vier Hochfrequenzdispatcher bleiben unterwegs ihren filmischen Wurzeln treu und
entwerfen imaginäre Szenenbilder und abenteuerliche Situationen, oder verwandeln
historische Ereignisse und gymnastische Turnübungen in musikalische Höhenmeter…”

Filmische Wurzeln und imaginäre Szenebilder – diese Beschreibung passt wie die Faust aufs Auge! Fernwärme ist sicherlich nicht die seichte musikalische Begleitung zum Montagmorgen-Frühstück sondern wohl eher was für eine whiskeyschwanger Samstagnacht – tiefe Nacht. Nach dem ersten mal hören warich etwas ratlos, hinterliessen die Soundlandschaften bei mir doch so ein Gefühl von….tja, von was eigentlich? Mmmmh, das lässt sich schwer in Worte fassen – in Erinnerung an das erste Mal bleibt das “nicht fassen können”, wobei hier von Stilen und Rhythmen die Rede ist. FFF lassen sich nur schwer einordnen, doch heute sage ich – “und genau das ist die Stärke dieses Albums”. Hinter jedem neuen Track verbergen sich neue Ideen und Überraschungen, doch “Fernwärme” läuft dabei nie Gefahr “gewollt” zuklingen. Ein GROSSES Plus! Und wenn man mir dann noch mit Titeln wie “Die Reflektierende Bäurin vs. Der Ironische Hund” kommt hat man mich sowieso schon gewonnen. Der song könnte übrigens auch von den Jungs von “Calexico” stammen, hört sich an wie ne Gothic-Variante des sogenannten “Americana-Stils”.

Zusammenfassend bleibt mir nur zu sagen: A must hear für alle Freunde der gehobenen Soundbastelei, zart beseitete Mainstreamohren sollten aber vielleicht doch lieber die Finger davon lassen. Nicht das sich plötzlich noch völlig neue Landschaften vor ihnen auftun und sie anfangen sich zu verlaufen. Ich auf jeden Fall werde FFF bestimmt auf einem Teil ihres Weges durch die Täler der Soundlandschaften begleiten, sie scheinen Ecken und Wege zu kennen an denen ich bisher anscheinend immer vorbei gestolpert bin.

Gruß,

Dubhead

Dubhead (E-Mail) - 09-03-’10 12:28



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