The Residents - Cube-E (Live In Holland)

Bewertung: 3/5

Freitag, 06. Februar 2009, 18:03 Uhr. Stichwörter: , , ,

Willkommen in einer anderen Welt. Tretet ein, setzt euch hin und geniesst die „Cryptic Corporation“. Mit großen Augen, Frack, Zylinder und Tierkostümen sind sie gekommen, um uns in neue Spähren zu entführen, uns mitzunehmen in eine manipulierte Wirklichkeit.

The Residents kann man eigentlich gar nicht besprechen, man muss sie gesehen haben. Ich persönlich hatte dieses Glück, auch wenn es nur ein kurzer Auftritt war, damals in den Neunzigern an der Berliner Hochschule der Künste (heute UDK). Die Auftritte der Kalifornier sind ein Gesamtkunstwerk. Dagegen wirkt das Performanceniveau der „Blue Man Group“ wie eine Versammlung geistiger Amöben zum Tanztee im Hotel Adlon.

Experimentelle Sounds und abstrahierte Sinfonien, geklaut und neu verarbeitet, gehen einher mit hinter Masken verborgenen Künstlern und aufwendig inszenierten Bühnenauftritten. Hier mal ein Ausschnitt aus einer Show im Jahre 2003, damit ihr sehen könnt, wovon hier überhaupt die Rede ist:


Doch zurück ins Jahr 1990: Die Residents haben gerade erfolgreich die Welt mit ihrer letzten Show „Cube-E“ bereist - zurück blieb neben den üblichen Videoaufzeichnungen ein Tour-Album. Ein audio-visuelles Wunder, gepresst auf CD bzw. Vinyl, kann das gut gehen? Um die Antwort gleich mal vorweg zu nehmen: Jein. Die Musik ohne Kostüme und Bühnenshow ist eben nur die halbe Wahrheit.


Cube-E“ ist eine Reise durch die Musikgeschichte Nordamerikas, von den Klängen der Ureinwohner, Cowboy & Western Music, Blues und Jazz bis hin zum Rock. Alles in die Mangel genommen vom Sequenzer und durch den Synthesizer gejagt. „Don't Be Cruel“ (im Original von Elvis) ist ein gutes Beispiel:


Man mag es kaum glauben, aber in den Anfangstagen von MTV waren solche Videos der „Cryptic Corporation“ fester Bestandteil in der Clip-Rotation. „Cryptic Corporation“, das sind die Künstler der Gruppe quasi „outsourced“. Denn seit ihrer dadaistischen Gründungsphase in den Sechzigern geben die Amerikaner keine Interviews und wenn, dann nur auf Anfrage bei der sogenannten „Cryptic Corporation“. Es liegt nahe, dass auch hier eine Maskerade mit im Spiel ist, so genau weiss das aber niemand. Wer einmal ein Residents- bzw. „Cryptic Corporation“-Interview gelesen hat, weiss von abstrusen Geschichten zu berichten, die dort von den Herren in den Kostümen verbreitet werden. Aber auch das ist Teil der nun über 40jährigen Bandphilosophie: Gerüchte und Geschichten halten eben das Interesse wach. Dazu gehört auch die gern erzählte Mär (schon in den siebziger Jahren), dass sich hinter dem Projekt die Beatles verbergen würden. Auf der Bandhomepage wurden im Jahr 2006 die Mitglieder „John, Paul, George and Reingold“ angeführt.

Live ist die Truppe über alle musikalischen Zweifel erhaben, was für die Besetzung auf der Bühne wohl nicht mehr uneingeschränkt gelten darf. Fans vermuten schon lange, dass sich auf der Bühne unter den Kostümen inzwischen eine ganz neue Generation von „Residents“ verbirgt. Das alles ist aber egal, solange die Musik stimmt. Womit wir wieder bei dem hier besprochenen Live-Album „Cube-E“ angekommen wären: Von mir gibt es dafür nur drei von fünf möglichen Punkten. Das Mastering ist gelinde gesagt schwach und die Intensität der Show bleibt, trotz schöner Fotos im Booklet, auf der Strecke. Live ist nun mal live.


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Ein Kommentar

gravatar for Karl Ball

Die hervorragenden Auftritte der Residenz kann ich nur bestätigen. Der Kommentar zur Band, einfach Klasse. Weiter so!

Karl Ball (E-Mail ) - 06-02-’09 22:52



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