Regierungshilfe gegen illegale Kopien im Internet
Oder: Es ist immer einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen
Mittwoch, 18. März 2009, 11:53 Uhr. Stichwörter: download, filesharing, musikindustrie
Es ist mal wieder so weit: Die Musikindustrie klagt über Raubkopierer und Filesharer. Vor allem aber beklagt sich "Viva"-Dieter-Gorny über mangelnde Unterstützung der Bundesregierung im Kampf der Musikindustrie gegen Filesharer: "Im Gegensatz etwa zu Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy oder US-Präsident Barack Obama denkt die deutsche Politik noch analog."
Hmm, mal wieder starke Töne. Allerdings frage ich mich immer, ob man früher auch Leute verfolgt hat, die mit ihrem 100-Mark-Kassettenrecorder beim Kumpel mal schnell die aktuellsten Hits kopiert haben. Persönliche Erinnerungen habe ich noch an Zeiten, als im Radio Alben zum Mitschnitt gespielt wurden - schien damals ja auch kein Problem zu sein.
Wenn allerdings die illegalen Downloads im letzten Jahr gegenüber 2004 um 50% abgenommen haben, die Verkäufe dennoch nicht zulegten, dann belegt dies ja nur den Schluß, dass schlechte Verkaufszahlen nicht direkt mit illegalem Kopieren von Musik im Zusammenhang stehen. Mein Hinweis an Dieter G.: Vielleicht liegt es an der Qualität der angebotenen Ware? Ist ja in anderen Bereichen auch so, dass Schund zum Ladenhüter wird.
In unseren Shoptests habe ich ja schon ein Beispiel vorgestellt, wie man Musik auch vermarkten kann (Magnatune). Auch häuften sich in letzter Zeit Aktionen auch von etablierten Bands (z.B. Radiohead), in denen erfolgreich alternative Vertriebsmodelle, im Falle von Radiohead z.B. freiwillige Zahlung, ausprobiert wurden.
Selbstverständlich ist es dann auch nötig, die Kalkulation der Margen neu zu überdenken. Meiner Meinung nach hat die Musikindustrie eine gute Chance, weiterhin erfolgreich zu sein: Endlich die einfache Verbreitung digitalen Materials konsequent unterstützen (ohne DRM, lossless und kostengünstig) und analogen Mehrwert für Kaufobjekte zu bieten, z.B. in Form von hochwertigen Covern, Booklets oder ähnlichem. Letztendlich ist es doch alles eine Frage des Marketings, oder wie erklärt Herr Gorny bitte den unglaublichen Erfolg von Jamba beim Verkauf von teils völlig sinnfreien Tonschnipseln in schrecklicher Qualität für Mobiltelefone?
Letztendlich kommt es doch darauf an, inwiefern sich die Konsumenten mit dem Künstler identifizieren. Millionen Fußballfans gehen jedes Wochenende in die Stadien Europas, um ihren Stars 90 Minuten lang beim Rumrennen zuzuschauen - weil sie sich identifizieren und offenbar auch gut unterhalten werden. Popmusik jedoch ist durch das Marketing zur reinen Modeerscheinung stilisiert worden, und One-Hit-Wonder zur Kunstform. Wenn es also cool ist, einen bestimmten Titel zu hören, der Interpret dahinter jedoch völlig egal ist, dann darf man auch keine großen Verkäufe erwarten.
Also, Dieter, krempel mal Deinen Laden um, bringe ihn ins digitale Zeitalter, und wenn Du das geschafft hast, dann kannst Du ja Angie erklären, wie es geht. Und so lange darfst Du Dich darüber freuen, wie tausende Internetnutzer unter Umständen auch mit finanziellem Aufwand dafür sorgen, dass sich von Dir publizierte Musik verbreitet und bekannt wird. Denn wer Musik zum Wegwerfprodukt macht darf sich auch nicht wundern, wenn damit entsprechend umgegangen wird.
| --> |
|
Ein Kommentar


Ich kann mich Uwe nur anschliessen…nebenbei, wie Uwe schon schrieb, Radiohead haben es vorgemacht und so falsch können sie mit dem Selbstvertrieb über ihre Homepage nicht liegen, die Jungs von Bloc Party haben es ihnen ja nachgemacht mit ihrem letzten Album. Kann sich ja ein gewisser Herr Bono Vox mal was von abschneiden ;)
Dubhead (E-Mail ) - 18-03-’09 17:35