L7 - Bricks Are Heavy

Klassiker - Bewertung: 5/5

Samstag, 19. Februar 2011, 10:00 Uhr. Stichwörter: , , , , ,

Vier Frauen, vier Instrumente und ein Sound, der so gar nichts mit dem zu tun hatte, was sich da in den ausgehenden Achtzigern unter dem Begriff Frauenbands auf dem Musikmarkt tummelte. Die “Bangles” kamen nicht nur dem Namen nach mit Armreifen daher, sie waren auch das Klischee einer Girlieband. Doch L7 hielten dagegen, sie schufen mit “Bricks Are Heavy” einen Rockmeilenstein.

Das mit dem Meilenstein ist nicht nur großspurig daher gesagt, selbst das altgediegene “Rolling Stone”-Magazin äusserte sich Ende der Neunziger in eine ähnliche Richtung und erklärte das Album zu einer der “wichtigsten Aufnahmen der 90er”. Warum? Ganz einfach: sowas hatte der geneigte Rockfan bis dahin noch nicht gehört: Eine reine Frauenband hatte da ein Brett von Album auf den Rocktisch geschmissen, das es in sich hatte. 11 Songs wie aus einem Guss, einer besser als der andere.

Mitte der Achtziger fanden sich Donita Sparks, Suzi Gardner, Jennifer Finch und Dee Plakas in Los Angeles zusammen – gespielt wurde Punk. Doch Finch hatte vorher schon mit Courtney Love zusammengearbeitet (ihr wisst schon: die spätere Frau an der Seite von Grunge-Ikone Kurt Cobain und “Hole”-Chefin. Heutzutage ist sie eigentlich nur noch als Rock-Dauerskandalnudel in den Medien vertreten.). Aus dieser Richtung wurden wohl auch einige Einflüsse in Richtung L7 mitgenommen, denn das was da auf “Bricks Are Heavy” zu hören ist, hat mit Punk nur bedingt zu tun. Hier wurde gerockt und der tristen Realität ins Gesicht gespuckt. Das sah auch Filmemacher Oliver Stone so und der Song “Shitlist” wurde Teil des Soundtracks für seinen Film “Natural Born Killers”. Meisterwerk traf Meisterwerk, sozusagen.

Ruhiger geht es bei “One More Thing” zu. Ich habe die Damen, 1994 glaube ich, live in der Berliner Wuhlheide auf einem Festival gesehen. Der spätere Headliner Pearl Jam hatte echt Probleme die Stimmung des frühen Abends in ähnliche Höhen zu treiben. L7 schaffte das selbst mit ihren langsameren Songs, die aber eher eine Ausnahme sind.

Mein favourite Track auf dem Album: “Slide” - der geht ordentlich nach vorne und beim zweiten Video, bekommt ihr mal einen Eindruck, wie die Mädels rocken!

Wer L7 sagt muss natürlich auch “Riot” oder “Riot Grrrrls” sagen: Unter diesem Label firmierten Anfang der Neunziger einige Frauencombos, allen voran L7. Hier sollte Unabhängigkeit vom männlichen Geschlecht stilecht vermarktet werden - so der Plan der Plattenfirmen. Geblieben davon ist nur die Musik, wenigsten etwas. Und wenn die so großartig ist wie auf diesem Album, dann greift Mann oder Frau auch gerne knapp zwanzig Jahre später immer noch zu und legt dieses Meisterwerk in den CD-Player oder auf den Plattenteller.

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